Antwort auf: Aufklärung ist Alles

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#11760
matalo
Teilnehmer

Ich verstehe euren Ansatz und ich verstehe auch den Ansatz hinsichtlich des Online-Marketing. Aber selbst wenn man das „Geschäft“ mit Google im Wissen über die „Win-Win-Situation“ eingeht, sollte doch immer eine kritische Distanz bleiben.
Können wir die Risiken, die es auf jeden Fall auch gibt, wirklich in ihrer Konsequenz abschätzen?

Es gibt ja sehr viele Bereiche des Lebens (auch bei euch), bei denen wir nicht nur auf unser eigenes Handeln achten können und ein (z.B. staatliches) Regulativ wichtig ist. Nicht alle Menschen verhalten sich sozial kompatibel. Und das Gleiche trifft auch auf Unternehmen zu.
Ein gewinnorientiertes Unternehmen hat eben nicht zwangsläufig das Wohl des Einzelnen im Blick.

Die Gesellschaft dann in „Klassen“ (so klang/klingt es bei mir in der Diskussion durch) aufzuteilen, nämlich in diejenigen, die sich versiert und sicher in der digitalen Welt (und der Google-Welt) bewegen können, und in diejenigen, die es nicht können (und gewissermaßen selbst schuld sind, weil sie sich ja besser informieren hätten können), empfinde ich als absolut falsch, da unsere (bundesdeutsche/westdeutsche) Gesellschaft nicht auf diesen Grundsätzen (die ich eher im angesächsischen, wirtschaftsliberalen Verständnis verorte) aufgebaut wurde.

Nur weil „ich“ super damit umgehen kann (und auch guten wirtschaftlichen Erfolg damit habe), kann ich doch nicht alle anderen ausser Acht lassen.
Das freie Spiel der Kräfte, das u.U. eben auch zu einer Monopolstellung führen kann, birgt eben auch die Gefahr sozialer, wirtschaftlicher und politischer Ungleichheit.
Und das ist einer der großen Diskussionspunkte. Es geht nicht nur um das „ich“.

Niemand neidet Google das gute Geschäftsmodell und den Erfolg. Wieso sollte man. Wer gute Dienste anbietet, soll damit auch gutes Geld verdienen können.

Die Frage ist aber, wer kann kontrollieren, ob und wann Mißbrauch betrieben wird. Der Staat, die Medien, der Einzelne? Und wann und wo gäbe es überhaupt noch einen Punkt, an dem das System (eventuell auch aus sich selbst heraus) reguliert werden kann, bevor ein wirklicher Schaden entsteht?
Wer stellt z.B. sicher, daß die Recherchen und Arbeiten kritischer Journalisten gefunden werden können? Habt ihr wirklich ein derart grenzenloses Vertrauen in Google?
Ich habe zumindest genausowenig Vertrauen in Google (pars pro toto) wie in die Staats- und Parteiführung der VR China. Und diese kritische Distanz wird auch bleiben, ungeachtet der beruflichen/finanziellen Chancen, die sich mir durch Google (pars pro toto) bieten.

Und: Wer soll denn Kinder, Jugendliche und Erwachsene so erziehen, daß sich alle sicher in der digitalen Welt bewegen können (wie es sich Vanessa zu Recht wünscht)? Diese Aufgabe müsste ja letztendlich wieder der Staat übernehmen. Google (oder andere Unternehmen) werden da sicherlich nicht tätig werden.
Das läge dann wieder in der Hand der viel gescholtenen Politiker und staatlichen Institutionen, die ja alle „keine Ahnung“ haben (oder sich mal von Lobbyisten oder mal von bürgerlicher Verhinderungspolitik leiten lassen).

Für mich ist das ein klassisches Spannungsverhältnis. Nämlich zum Einen die Sozialisation in einem fürsorglichen demokratischen Rechts- und Sozialstaat (gepaart mit dem Wunsch, dies so beibehalten zu wollen), und zum Anderen der wirtschaftsliberale Wunsch nach so wenig Reglementierung/Regulierung (so wenig jammernden Bremsern) wie möglich. Das zieht sich nicht nur durch die Datenschutz/Google-Diskussion, sondern auch durch viele anderen aktuellen Diskussionen in Wirtschafts-, Finanz- und Handelspolitik. Es ist eher eine kulturelle, ethische Fragestellung.

Nichts anderes stellt auch die Google-Reportage der ARD dar. Ob jetzt ein darin gewähltes Beispiel treffend ist oder nicht, spielt für mich dabei eine untergeordnete Rolle. Der Zuschauer soll vorrangig darüber informiert werden, daß sich hinter Google nicht nur ein praktischer Alltagshelfer, der noch dazu gratis ist, verbirgt, sondern eben auch eine nachhaltige Problemstellung für die Gesellschaft.

Bitte entschuldigt den langen Beitrag.