Antwort auf: Gutes Google Schlechtes Google

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#6119
flinkpike
Teilnehmer

Wirtschaftspolitik
Information ist spätestens heute ein Wirtschaftsgut: sie stiftet Nutzen, befriedigt Bedürfnisse und unterliegt den Gesetzen der Knappheit.
Grundlegende Aufgabe der Wirtschaftspolitik besteht darin, für Rahmenbedingungen zu sorgen, die eine möglichst optimale Verteilung der Güter in einer Volkswirtschaft gewährleisten. Meiner Meinung nach sollte der Umgang mit Information als Wirtschaftsgut entsprechend behandelt und gesetzlich geregelt werden. Streiten kann man immer; ich bin dafür, dass dieser Streit gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Konsequenzen hat.

Monopolistischer Schneeballeffekt
Wenn ein Unternehmen seine führende Stellung im Markt nutzt, um diese noch mehr auszubauen, sprich den Wettbewerb noch mehr zu verdrängen, dann ist das unlauter und kann vom Staat geahndet werden (wenn entsprechende Gesetzgebung vorhanden ist.). Die Vorteilsnahme dieser Vormachtstellung versetzt google wirtschaftlich überhaupt erst in die Lage, soviele Dienste gratis anzubieten und damit noch mehr Kunden an sich zu binden. Die tollen, kostenlosen Angebote sind schön und gut für den der sie nutzt, die kostenlosigkeit basiert aber auch wieder auf googles hervorragender Stellung im Internet-Werbemarkt.

Kostenlos oder gratis?
Die kostenlosigkeit der google-Dienste ist in meinen Augen eine Milchmädchenrechnung, denn infolge der ARD ist offensichtlich, dass jeder Nutzer der google-suchmaschine mit dem Verzicht auf objektive Information bezahlt, wenn er sich in Suchbereichen bewegt, an denen google ein unternehmerisches Interesse hat.

Verbraucherschutz
Niemand zwingt mich, google zu benutzen, und doch komme ich als Otto Normalverbraucher kaum noch darum herum. Ein grosser Teil des Verbraucherschutzgedankens beruht grob gesagt darauf, die Unbedarften vor ihren eigenen Handlungen zu schützen. Den privaten Konkursler hat ja auch keiner gezwungen, sich über beide Ohren zu verschulden, und doch bemühen sich die – staatlich subventionierten – Verbraucherzentralen in Deutschland, mit ihrer aufklärerischen Tätigkeit solche Situationen zu verhindern oder zumindest zu lindern.

Freiheit in Kultur und Gesellschaft
Die Grundfrage wie bei allen diesen Diskussionen ist: wieviel Freiheit wollen wir, und was sind wir bereit, dafür in Kauf zu nehmen, wieviel Verantwortung wollen wir uns selbst und anderen zumuten, wieviel Steuerung braucht unsere Gesellschaft? Was verträgt unsere Gesellschaft, was entspricht unserer Kultur?

Amerika und Europa
Mich wundert es nicht, dass die amerikanische Administration es nicht geschafft hat, microsoft zu zerschlagen. Amerikanische Kinder saugen das Motto „This is a free country“ mit der Muttermilch auf, und ich vermute, dass genau dies wiederum mit dazu beigetragen hat, dass Apple gegen microsoft so wachsen konnte (Mit schnell hat dies allerdings nicht zu tun. Das Wort personal computer wurde 1981 von Apple geprägt.). Sie ist z. b. auch verantwortlich für die geringe Popularität eines staatlichen Krankenkassen- und Rentensystems. Wir in Europa können unser politisches Fundament mit dem amerikanischen nur wenig vergleichen; ich finde, wir sollten google nach europäischem Mass messen.