Google und der Datenschutz

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  • #6115
    Jan K.
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    In der doch hitzigen Debatte über den Datenschutz im Internet möchte ich zwischen zwei grundsätzlichen Überlegungen unterscheiden. Vom Prinzip her ist die Idee von Google gut. Statt den Menschen mit sinnloser und uninteressanter Werbung zu überhäufen versucht man ganz spezifisch für die jeweilige Person das Angebot zusammen zu schnüren.
    Für mich ist es auch völlig in Ordnung, wenn bezahlte Anzeigen, die als solche gekennzeichnet sind anzuzeigen. Da ist es wirklich für jeden ersichtlich und ich kann mich gerne auf die neutralen Anzeigen konzentrieren.
    Würden die Daten schlicht von Computern ausgewertet und entsprechendes Angebot erstellt, wäre das für mich keiner Diskussion wert. Eine Erstellung des jeweiligen Profils und eine automatisierte Ausgabe von Vorschlägen ist für mich auch unproblematisch.
    Der zweite Teil der Überlegung ist, wer hat Zugriff auf die Daten. Google sagt, man versuche die Daten zu schützen. Das glaube ich sogar, denn Skandale möchte man nicht, das schadet dem Geschäft, aber ohne Unterstützungen von Regierungen wird es schwierig. Somit ist Google bereit Zugang zu gewähren. Dieser ist leider nicht begrenzt auf Datenherausgabe, falls es einen Beschluss von einem Gericht gibt, sondern Behörden greifen willkürlich auf diese Daten zu. Google musste dies einräumen.
    Auch hier kann noch jeder unbedarfte Bürger sagen, gut, er habe ja nicht zu verbergen. Ich will drei einfache Beispiele nennen, bei denen klar wird, warum dies trotzdem bedenklich wird. Ob nun ein Mitarbeiter einer Behörde oder ein Hacker nun Zugriff auf die Daten erlangt, ist irrelevant. Nutzt jemand die Daten kann er vieles erreichen. Heute sind in Paris 11 Menschen gestorben, weil Zeichnungen in einer Zeitung erschienen sind. Stelle man sich vor, man hätte selber über diese Zeichnungen mit Freunden per Email diskutiert. Hätten die Mörder alle diese Daten, stände vielleicht morgen ein Mensch mit einer Pistole vor Eurer Tür. Ist das zu abwegig? Sicher nicht, denn durch das Bewegungsprofil wüsste er sogar, wo er denjenigen findet. Es handelt sich nicht um einen Staat in den man nicht reist, die Morde sind mitten in Paris erfolgt.
    Zweites Beispiel. Man ist selbstständig – eine Agentur für Suchmaschinenoptimierung vielleicht. Das Finanzamt prüft. Man ist einer dieser korrekten Bürger, alles läuft in Ordnung, alle Erklärungen sind gemacht, alle Kosten und Einnahmen korrekt verbucht. Nun konfrontiert Euch der Prüfer mit der Tatsache, dass Ihr am Datum X in Hamburg gewesen seid. Angemerkt sei, der Prüfer steht unter hohem Druck, er muss eine Quote erfüllen um Fehlverhalten festzustellen. Das wurde durch Presseartikel bekannt. Jedenfalls fragt er Euch, ob Ihr denn mit dem Firmenfahrzeug gefahren seid, Ihr hättet ja kein privates Fahrzeug. Das verneint Ihr, ein Zug ist es gewesen. Ob Ihr ein Ticket habt? Nein, man bewahre keine privaten Tickets auf, wozu auch. Sehr unglaubwürdig unterstellt man Euch. Nun sei eingeschoben, es gibt keine Unschuldsvermutung bei der Finanzverwaltung. Man unterstellt Euch also eine Privatfahrt, zu versteuern, aber damit seid ihr über die 5% Eigennutzung und das ganze Fahrzeug gilt als privat. Somit sind 30.000 Euro Betriebsausgaben plötzlich eine Steuerhinterziehung. Ihr findet das an den Haaren herbei gezogen? Bei Finanzkrisen fangen Regierungen an, sehr darauf zu achten, dass die Steuereinnahmen kommen. Und es ging nur um eine Feststellung. Was ist, wenn Telefondaten, sogar Mitschnitte, Ortsdaten, Internet Bewegungen, Emails, Kalender, Autorouten einer Behörde zur Verfügung stehen? Da ließe sich noch mehr zweifelhaftes finden, von dem Ihr nicht mehr das Gegenteil beweisen könnt.
    Nehmen wir noch ein drittes Szenario an. AFD, Pegida und Konsorten schaffen es an die Macht zu kommen. Genug Dumme scheint es ja zu geben. Als freien Bürger nervt einen das und Ihr versucht Euch zu wehren, organisiert eine Opposition, unterstützt Gegenkandidaten, diskutiert im Netz und bereitet Euch für die nächste Wahl vor. Das ist aber den Behörden bekannt. Ihr geltet als Verräter am deutschen Vaterland, als Unruhestifter, als Feinde. Die Folgen darf sich jeder selber ausmalen. Auch das ist unwahrscheinlich? Heute schon werden Parteiprogramme auf Umfragen hin erstellt. Könnte man alle Daten auswerten, ist der Schritt nicht mehr weit, das nur für den jeweiligen User passende Wahlsprüche gemacht werden. Oder die Nachrichten speziell um die persönliche Meinung des Users zu beeinflussen? Wenn wir alles über denjenigen Wissen, kein Problem.
    So muss ich abschließend resümieren: Die Datenspeicherung an sich wäre kein Problem. Der Missbrauch der Daten ist ein riesiges Problem. Können wir den Missbrauch verhindern. Bei einer Firma wie Google, bei der Server in anderen Ländern mit anderen Gesetzen und anderen Moralvorstellungen stehen – nein. Daten sind hackbar – auch ein Pentagon wurde gehackt – meine Daten sind also nicht sicher. Wie verhindere ich also die Datensammelei? Ein erster Schritt wäre, dass ich bei Google angeben könnte, ich möchte nicht, dass meine Daten gespeichert werden und dies geschieht dann auch. Ja, Ihr dürft mir gerne Werbung von Spielzeugautos zeigen, während ich eine Seite für Modeleisenbahnen besuche. Dafür braucht man meine Daten nicht. Und viele haben vielleicht nichts dagegen Ihre Daten zu teilen. Die Werbeeinnahmen sind dann vielleicht kleiner, aber sie werden sicher reichen um Google zu betreiben, vielleicht wird der Börsenwert etwas kleiner, aber bei 450 Milliarden ist ja noch Luft. Ich möchte aber die Entscheidung haben. Wir sollten das kritisch sehen. Jetzt mag es noch in Ordnung sein, aber wenn es zum Problem wird ist es vielleicht zu spät.
    Ich hoffe ich konnte einen Hinweis geben, ohne zu emotional zu sein. Wir brauchen Werbung und deren Geld um Dienste kostenlos anzubieten. Aber bitte in Maßen und kontrollierbar.

    #6131
    Daniela
    Teilnehmer

    Man merkt, dass du dir viele Gedanken darüber gemacht hast. Ich bin ganz deiner Meinung. Ich habe nichts gegen personalisierte Werbung und gebrauche gerne einige Google Tools. Aber was geschieht mit den gespeicherten Daten wirklich? Werden meine gespeicherten Daten irgendwann einmal missbräuchlich verwendet? Deine Szenarien können einen definitiv Angst machen.

    #6140
    flinkpike
    Teilnehmer

    Ich stimme dir zu, dass die Datenspeicherung an sich nicht unbedingt ein Problem darstellen muss; das Problem ist die Konzentration unter einem Dach!

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