Zielgruppenmodell für nachhaltige Tourismusangebote

Bevor Ihr in das Thema einsteigt, zeigt Euch  folgender Film Wissenswertes zum Tourismus und Nachhaltigkeit.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Hören, Sehen und Lesen. Riechen (Duften) kommt dann später…:-)

Zielgruppenmodell für nachhaltige Tourismusangebote

Reiseangebote haben am Markt nur dann Erfolg, wenn sie die Erwartungen, Wünsche und Bedürfnisse von Urlaubern optimal erfüllen. Das gilt gerade auch für Reisen, die gezielt zu einer nachhaltigen Entwicklung im Tourismus beitragen können: Welchen Lebensstil pflegt der potenzielle Kunde im Alltag? Was genau erwartet er im Urlaub? Wie leicht ist er für Umweltthemen und soziale Aspekte ansprechbar?

Das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) GmbH entwickelte in Zusammenarbeit mit den INVENT-Partnern das „Zielgruppenmodell Urlaubs- und Reisestile„. Basis des Modells ist eine repräsentative Befragung von 2000 deutschen Reisenden. Daraus entstand eine Typologie von insgesamt sieben Zielgruppen mit charakteristischen Lebens- und Reisestilen im Massenmarkt

Indikatoren für nachhaltigen Tourismus im Massenmarkt

Die traditionellen Gewohnheitsurlauber (16 Prozent aller Reisenden)

Die traditionellen Gewohnheitsurlauber sind geprägt von einer bescheidenen Grundhaltung, nach innen auf die Familie gerichtet und auf Sicherheit bedacht. Dieser Typ hat ein traditionelles Weltbild – sowohl, was das Rollenverhältnis von Männern und Frauen angeht, als auch in Bezug auf die Kindererziehung. In dieser Gruppe ist der Anteil älterer Jahrgänge hoch: 55 Prozent sind älter als 60, Frauen sind mit 60 Prozent überdurchschnittlich vertreten. Über die Hälfte lebt verheiratet mit dem Partner oder der Partnerin zusammen, überdurchschnittlich groß ist auch der Anteil der Verwitweten. Die traditionellen Gewohnheitsurlauber haben überwiegend niedrige Bildungsabschlüsse und verfügen über niedrige Einkommen. Über 70 Prozent sind nicht oder nicht mehr berufstätig.
Traditionelle Gewohnheitsurlauber zieht es im Urlaub nicht in die Fremde. Sie fahren dahin, wo sie sich auskennen und sicher fühlen, am liebsten immer wieder an den gleichen Ort, gerne auch innerhalb Deutschlands. Damit verhält sich diese Zielgruppe – wenn auch unbewusst – im Urlaub umweltfreundlicher als die meisten anderen Zielgruppen.

Die Kinder- und Familienorientierten (14 Prozent)

Der Alltag der Kinder- und Familienorientierten ist stark von Stress und Überforderung geprägt. Alles dreht sich um die Familie und die Erziehung der Kinder. Zwei Drittel der Kinder- und Familienorientierten sind Frauen. Der Altersschwerpunkt liegt bei den 30- bis 50-Jährigen. Die meisten in der Gruppe haben einen niedrigen oder mittleren Bildungsabschluss und verfügen über mittlere bis höhere Einkommen.
Kinder- und Familien-Orientierte wählen ihr Urlaubsziel nach dessen Kinder- und Familienfreundlichkeit aus. Das bedeutet für sie nicht nur angemessene Preise, sondern auch gezielte Angebote und Animation für den Nachwuchs. Sie sollen die Eltern entlasten und ermöglichen, dass sie im Urlaub Erholung finden und Zeit für sich haben. Daneben spielen Sicherheit des Urlaubsziels und Sauberkeit der Unterkunft eine wichtige Rolle. Besonders beliebt in dieser Gruppe ist ein Sommerurlaub am See oder am Strand.

Sonne-, Strand-, Pauschalurlauber (20 Prozent)

Bei den Sonne-, Strand-, Pauschal-Urlaubern ist fast jeder zweite über 50, Frauen sind leicht überrepräsentiert, 90 Prozent leben allein oder in einem Zwei-Personen-Haushalt, 40 Prozent arbeiten nicht oder nicht mehr. Im Vergleich zum Durchschnitt aller Reisenden gibt es in dieser Gruppe mehr niedrigere Bildungsabschlüsse und kleinere Einkommen.
Diese Zielgruppe kann sich zwar keinen gehobenen Lebensstandard leisten, legt aber großen Wert darauf, einen guten Eindruck zu machen. Daher spielen äußeres Erscheinungsbild und Statussymbole eine wichtige Rolle. Typisch für diese Zielgruppe ist der Wunsch nach etwas „Besonderem“, solange es sich innerhalb eines erschwinglichen, allgemein akzeptierten Rahmens abspielt.
Urlauber aus dieser Gruppe suchen in den Ferien vor allem Sommer, Sonne, Strand und Erholung – andere Urlaubsarten sind eindeutig nachrangig. Urlaub ist stets auch eine Preisfrage, sie sind leicht ansprechbar für besonders günstige Angebote und Schnäppchen-Reisen, so dass die Destination bei einem besonders preiswerten Angebot sogar zweitrangig werden kann. Folgerichtig buchen Sonne-Strand-Pauschal-Urlauber gern All-inclusive, weil das die Kosten kalkulierbar und vergleichbar macht. Nahezu die Hälfte der Sonne-, Strand-, Pauschal-Urlauber verbringt die Ferien im Mittelmeerraum. Diese Region bietet Sonnengarantie, zudem sind die Reisen in der Regel günstiger als exotische Ziele. Die Zielgruppe fährt im Jahr meist nur einmal in Urlaub, umso wichtiger ist dann vor Ort ein umfassender Service, so dass sich der Reisende um nichts kümmern muss. Umweltschutz oder soziale Aspekte spielen für diesen Typ so gut wie keine Rolle.

Die Jungen Fun- und Action-Urlauber (11 Prozent)

Die Fun- und Action-Urlauber sind die jüngste Zielgruppe im deutschen Reisemarkt: Fast die Hälfte ist unter 30. Zwei Drittel dieses Typs sind Männer, knapp drei Viertel sind ledig, mehr als die Hälfte zudem Single. Junge Fun- und Action-Urlauber haben häufiger als der Durchschnitt einen mittleren Schulabschluss, sie sind oft noch in der Ausbildung und verfügen daher meist nur über ein niedriges oder mittleres Einkommen. Ihr Lebensstil ist gekennzeichnet durch den Drang nach Neuem und Trendigem in allen Bereichen. Typisch ist eine ich-bezogene und lustbetonte Grundeinstellung, gekoppelt mit einer ausgeprägten Technikaffinität. Ein Leben ohne Internet und Handy wäre für diese Zielgruppe kaum vorstellbar.
Auch in den Ferien erwartet dieser Urlaubs-Typ Abwechslung und Abenteuer. Tagsüber sucht er Action am Strand und bei Trendsportarten, die Nächte gehören Disco und Kneipe. Rund ein Viertel dieses Typs fährt allein in den Urlaub, viele nutzen Reisen als Gelegenheit, neue Leute kennen zu lernen. Dabei ist eine ausführliche Reiseplanung unwichtig, sie wählen lieber unter günstigen Last-Minute-Angeboten und Schnäppchen. Fast die Hälfte aller Reisen gehen in den Mittelmeerraum, jede siebte Reise ist eine Fernreise. Bei den Urlaubsarten dominiert eindeutig der preiswerte Strandurlaub mit Nachtleben, aber auch Städte- und Shoppingfahrten, Sport- und Fitnessreisen stehen hoch im Kurs. Attraktiv sind zudem alle Angebote, die dem jeweiligen Trend entsprechen oder die Zugang zu neuen Technologien ermöglichen: Mietfahrräder mit GPS-System und Hotels mit Internetanschluss im Zimmer erhöhen für diese Zielgruppe das Erlebnis im Urlaub. Für umwelt- und sozialverträgliche Reisen ist diese Zielgruppe nicht ansprechbar: Ökologie ist schlichtweg nicht „in“.

Die unkonventionellen Entdecker (10 Prozent)

Bei den unkonventionellen Entdeckern lebt jeder Dritte ledig und ohne Partner, in über 80 Prozent der Haushalte gibt es keine Kinder unter 18 Jahren. In dieser Gruppe sind höhere Bildungsabschlüsse überdurchschnittlich oft vertreten, fast jeder zweite ist ganztags berufstätig. Die unkonventionellen Entdecker haben eine individualistische und aufgeschlossene Grundeinstellung. Sie lehnen konventionelle Werte und Lebensstile ab, wehren sich gegen Anpassung und lassen sich durch Vorschriften und Normen nicht von ihrem Weg abbringen.
Im Urlaub sind unkonventionelle Entdecker neugierig auf alles Unbekannte. Sie tauchen gern auf eigene Faust in das Leben fremder Kulturen ein – und das am liebsten abseits des Touristenrummels. Für ein möglichst authentisches Urlaubserlebnis sind sie bereit, auf bestimmte Annehmlichkeiten zu verzichten. Sicherheit spielt für diese Gruppe keine Rolle; gerade die Unberechenbarkeit birgt oft Überraschungen, die dieser Urlaubstyp zu schätzen weiß.

Die anspruchsvollen Kulturreisenden (15 Prozent)

Bei den anspruchsvollen Kulturreisenden handelt es sich um das Segment der jung gebliebenen Älteren. Zwei Drittel sind älter als 50, der Großteil lebt verheiratet, die meisten haben einen hohen Bildungsabschluss, jeder zweite ist nicht oder nicht mehr berufstätig. Anspruchsvolle Kulturreisende sind bestrebt, sich weiterzubilden und körperlich und geistig fit zu bleiben. Der Lebensstil ist geprägt von einem ausgesprochenen Interesse an Kultur und einem gewissen Engagement für sozial schlechter Gestellte. Diese Gruppe zeichnet sich durch Offenheit und Toleranz und die Ablehnung traditioneller Werte aus.
Im Urlaub genießen anspruchsvolle Kulturreisende kulturelle Vielfalt und wollen sie möglichst authentisch erleben. Dazu gehört die landestypische Küche, aber auch das Gespräch mit den Einheimischen, soweit möglich in der jeweiligen Sprache. Urlaub ist für diese Gruppe nicht Synonym für Erholung, sondern für neue Eindrücke und Wissenserweiterung. Dieser Typus zeigt großes Interesse für die Verhältnisse vor Ort. Seine Empathie, gekoppelt mit seiner gehobenen Bildung, macht ihn aufgeschlossen für Fragen der ökologischen und sozialen Gerechtigkeit.

Die Natur- und Outdoor-Urlauber (14 Prozent)

Bei den Natur- und Outdoor-Urlaubern sind Männer und Frauen zu gleichen Teilen vertreten, mit einem leichten Trend zu mittleren und jüngeren Altersgruppen. Sie leben überdurchschnittlich oft in Drei- und Vierpersonenhaushalten und nur selten allein. Die meisten haben einen mittleren oder höheren Schulabschluss und sind berufstätig, viele verfügen über höhere Einkommen. Natur- und Outdoor-Urlauber zeigen kulturelles Interesse und soziales Engagement. Ihre Grundeinstellungen sind geprägt von starkem Verantwortungsbewusstsein für sich selbst und die Familie und sie sind sensibel gegenüber sozialen Fragen. Natur- und Outdoor-Urlauber interessieren sich zudem für den Zustand von Natur und Umwelt – allerdings unterscheiden sie sich deutlich von den „Ökos“ der 70er und 80er Jahre. Sie zeigen vielmehr ein neues Ökologieverständnis, das von dem Wunsch dominiert wird, eine möglichst intakte und gesunde Umwelt zu genießen und für eigene Aktivitäten zu nutzen.

In den Ferien suchen sie für sich und die Familie authentische Erlebnisse in möglichst unberührter Natur. Sie sind durchaus bereit, dafür auch mehr Geld auszugeben. Diese Urlauber sind damit eine Zielgruppe für „bewusstes“ Reisen: Eine unbelastete Umwelt akzeptieren sie als Voraussetzung für persönlichen Naturgenuss, Wohlbefinden und gesunde Ernährung. Die Zielgruppe ist im Urlaub zwar aktiver als andere Reisende, viele beschränken ihre Outdoor-Aktivitäten aber auf gemäßigte Formen wie Wandern, Fahrradtouren und Ausflüge. Erholen und Genießen in qualitativ hochwertiger Umgebung ist für die meisten außerdem genauso wichtig wie Aktivsein: Wellness und gesunde, regionale Küche sind bei dieser Zielgruppe ausgesprochen beliebt.

Quelle: http://www.invent-tourismus.de

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